Die 10 wichtigsten Regeln für das Wandern auf Mallorca

Wandern mit Tramuntana-Ausblick

Wandern auf Mallorca – Tramuntana-Ausblick

Die Serra de Tramuntana auf Mallorca ist nicht ohne Grund UNESCO Weltkulturerbe. Die erhabenen Gipfel vor dem kristallklaren blauen Himmel laden Wanderfreunde zu unvergesslichen Touren ein. Der gut 100 km lange Gebirgszug zieht sich entlang der gesamten Nordwestküste – von Port d’Andratx im Westen bis hinauf zum Cap Formentor im Nord­osten. Die bis knapp 1.500 Meter hohen Berge auf Mallorca sind schlicht und ergreifend perfekt geeignet für tolle Wanderausflüge.

Doch die Idylle kann trügerisch sein. Jedes Jahr gibt es zum Teil auch tödlich verlaufende Unfälle und Unglücke.

Damit der Wanderausflug unvergesslich im positiven Sinne wird, möchte ich heute ein paar wertvolle Tipps und Regeln mit auf den Weg geben.

  1. Planung ist alles.

Gerade auf Mallorca ist es fast unmöglich einfach so drauflos zu wandern. Die Touren können sehr unterschiedliche Schwierigkeitsgrade haben. Von einfachen, flachen Wanderungen entlang der Küste bis hin zu steilen Kletteraktionen ist auf der größten und schönsten Insel der Balearen alles möglich. Hier gibt es nur ein kleines Problem: In den verschiedenen Wanderführern werden Schwierigkeitsgrade sehr unterschiedlich angegeben. Es ist daher empfehlenswert eher konservativ an die Sache heranzugehen. Wer lange nicht gewandert ist und möglicherweise nicht hundertprozentig fit ist, tut gut daran, sich nicht zu übernehmen. Die Klassikertour, den „Torrente de Pareis“, würde ich beispielsweise nicht jedem und vor allem nicht zu jeder Jahreszeit empfehlen. Diese 200m tiefe Schlucht durchlaufen bzw. durchschwimmen geübte Kletterer in 4 Stunden. Andere kommen nie wieder heraus. Hört sich hart an, ist es auch! Gerade in diesem Torrent passieren jedes Jahr tödliche Unfälle, weil Wanderer sich und ihre Fähigkeiten überschätzen und sämtliche Vorsichtsmaßnahmen in den Wind schreiben.

torrent-de-pareis-mallorca

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  1. Erlaubnis einholen.

Da auf Mallorca der überwiegende Anteil der Wanderwege in Privatbesitz ist, ist die Frage nach der Zutrittserlaubnis nicht ganz unwichtig. Gelegentlich sind Wanderwege temporär nicht geöffnet oder das Ziel der Wanderung (wie zum Beispiel die Höhle „Avenc de Son Pou“) wurde vom Besitzer geschlossen. Gewisse Wege (dazu gehören alle Pilgerpfade und der GR221) stehen aber unter dem Schutz des Gewohnheitsrechts und dürfen eigentlich dem Wanderer nicht versperrt werden. Trotzdem nehmen manche Fincabesitzer einen Obolus. Wie zum Beispiel auf der Finca Massanella oder in Sa Foradada. Dort zahlen Wanderer um die 3 Euro pro Person.

Auch wer beispielsweise mit einem Hund wandern möchte, muss sich vorher informieren. Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten Eigentümer Hunde nicht auf ihrem Gelände erlauben. Hunde sind nicht gern gesehen. Entweder, weil Ziegen oder Schafe in der Vergangenheit gejagt wurden oder weil die Besitzer die Hinterlassenschaften der Tiere auf den Wanderwegen nicht entfernt haben. Das „Warum“ braucht uns aber nicht zu kümmern, wenn die Besitzer nicht wollen, dann ist das schade, aber nicht zu ändern.

  1. Gutes GPS einpacken!

Wer einen der elf über 1.000 Meter hohen Gipfel erklimmen will tut gut daran, ein ordentliches GPS mitzunehmen. Die wenigsten Wege auf Mallorca sind gut gekennzeichnet bzw. Kennzeichnungen sind so alt oder unklar, dass man ohne eine Handy-App wie Komoot oder ein Profi-GPS nicht sicherstellen kann, den Weg zu finden. Wer sein Handy und eine Wander-App wie Komoot nutzt, sollte unbedingt auch an einen externen Akku denken, denn die GPS-Funktion zieht deutlich mehr Strom als der reguläre Handybetrieb.

Wegweiser zu den Wanderrouten

Wegweiser zu den Wanderrouten

  1. Sicherheit geht vor!

Better safe than sorry, sagt man immer so schön, doch beim Wandern wird diese Regel allzu oft vergessen. Vor jeder Wanderung in den Bergen Mallorcas sollten die Wanderer jemanden informieren, wo sie genau wandern gehen und wann sie gedenken zurückzukommen. Das ist sozusagen die Lebensversicherung des Wanderers. Denn nur wenn jemand weiß, wo die Wanderer sich ungefähr aufhalten, hat die Bergwacht eine Chance vermisste Wanderer wiederzufinden. Nicht selten wurde ein toter Wanderer erst nach Tagen gefunden, weil ihn schlicht und ergreifend niemand vermisst hat. So kann dann schnell aus einem gebrochenen Bein, während einer unfreiwilligen Nacht in den Bergen, eine lebensgefährliche Unterkühlung und im schlimmsten Fall ein Tod auf Raten werden.

  1. Ausreichend Wasser mitnehmen.

Mallorca hat keine Flüsse. Fließende Gewässer entstehen hier nur bei Starkregen. Anders als zum Beispiel in den Alpen, wo man oft an kleinen Bachläufen vorbei kommt, hat Mallorca kein Wasser zu bieten. Das heißt: Wer wandern geht, muss genügend Wasser mitnehmen. Auch auf kurze Touren sollte man einen guten Vorrat mitnehmen, denn man weiß ja nie, wie lang die Tour werden kann. Schon mehr als einmal haben sich Menschen, die nur einen kurzen Spaziergang machen wollten, am Ende fünf Stunden lang im Wald verirrt. Wasser sollte also immer dabei sein. Durst ist eine ganz furchtbare Sache – egal bei welchem Wetter.

  1. Warme Kleidung einpacken.

Selbst an heißen Tagen ist es wichtig eine Jacke oder einen Pullover mit in den Rucksack zu packen. Warum? Erstens kann sich auch in den Bergen auf Mallorca das Wetter plötzlich verändern und beispielsweise ein starker Wind aufkommen und zweitens gilt auch hier wieder: Falls man sich verläuft und eine Nacht in den Bergen verbringen muss, ist man für jedes Kleidungsstück dankbar.

Eine Unterkühlung kann der menschliche Körper nicht lange aushalten. Schon wenn die Körpertemperatur auf 29,5 Grad absinkt, verliert der Mensch das Bewusstsein. Bei 26 Grad tritt der Tod ein. Wer also z. B. mit einem nassen T-Shirt im Wind steht, kann auch bei 26 Grad Außentemperatur sehr schnell ein großes Problem bekommen. Als Faustregel habe ich bei meinem Survival-Kurs folgende 3er-Regel gelernt: „Du kannst 3 Minuten ohne Luft, 3 Stunden ohne Schutz, 3 Tage ohne Wasser und 3 Wochen ohne Essen auskommen.“ Deshalb bitte immer einen klug gepackten Rucksack mitnehmen.

 

  1. Nicht rauchen, kein Feuer machen.

Wer keine exorbitanten Strafen (bis zu 500 Euro) bzw. einen Waldbrand riskieren möchte, sollte unbedingt vom Rauchen und Feuer machen in den Bergen absehen. Gerade in den Sommermonaten ist es bei 12 Sonnenstunden auf Mallorca oft so trocken, dass ein winziger Funke ausreicht, um einen schwer kontrollierbaren Waldbrand auszulösen. (Ähnlich hohe Strafen zahlen übrigens auch Autofahrer, die eine Zigarette aus dem Autofenster werfen.)

Wer allerdings in den Bergen verunglückt und aus einer Notsituation heraus Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchte, der kann Feuer und Rauchbildung durchaus für sich nutzen. Die Rettungskräfte werden so sehr schnell auf einen Verunglückten aufmerksam, wenngleich sie eigentlich nur kommen um den Waldbrand zu löschen. Der Wanderer sollte dann aber sicherstellen, dass sich das Feuer keinesfalls ausbreiten kann.

  1. Telefonnummer parat haben.

Wer in den Bergen unterwegs ist, braucht eine Reihe von Telefonnummern in seinem Handy. Nicht immer wird man das Glück haben, dass Netzabdeckung vorhanden ist, aber man wird auch nicht immer das Pech haben, die Nummer nutzen zu müssen. Trotzdem gehört ins Handy neben der Feuerwehr (112 für Gespräche auf Deutsch oder 085 für Gespräche auf Spanisch) auch die Nummer der Bergrettung der Guardia Civil (062). Wer am Berg nach Hilfe rufen möchte, sollte wissen, dass „ajuda“ (auf Katalan) und „soccoro“ (auf Spanisch) der richtige Ruf für den Notfall ist.

  1. Niemals nach 14 Uhr loswandern.

Natürlich können einfache und kurze Wanderstrecken, wie z. B. die Tour von Port des Canonge nach Bunyalbufar, auch am Nachmittag noch gelaufen werden. Grundsätzlich macht es aber viel mehr Sinn am Vormittag wandern zu gehen. Warum? Zum einen ist es in den Nachmittagsstunden deutlich heißer, außerdem können je nach Wandergebiet durch die Thermik gegen Nachmittag starke Winde auftreten. Wer in den Wintermonaten Wandern geht, riskiert es zudem eine Nacht in den Bergen zu verbringen, falls man sich gegen Nachmittag noch kräftig verläuft.

Erst im letzten Herbst musste ein 59-jähriger Wanderer mit einem gebrochenen Bein mit seinen zwei Rettern der Bergwacht eine Nacht am Berg verbringen, weil der Hubschrauber ihn in der Dunkelheit nicht mehr ausfliegen konnte. Übrigens bietet es sich für diesen Fall an, eine Rettungsdecke pro Person im Rucksack zu haben. Die wiegen nix, halten aber im Worst-Case schön warm!

  1. Gehen Sie niemals alleine in die Berge.

Diese Regel ist wohl die wichtigste überhaupt. Der größte Teil der tödlich verlaufenen Vorfälle auf Mallorca waren Wanderer, die alleine unterwegs waren. Vermeiden Sie Solotouren. Wer keine Begleitung hat, schließt sich am besten einer geführten Wanderung an oder sucht sich am Ausgangsort eine Gruppe, der er sich anschließen kann.

So. Geschafft!

Jetzt können Sie wieder durchatmen und sich auf die schroffen Berggipfel und die atemberaubenden Landschaften freuen. Genießen Sie auf Ihren Wanderungen unbedingt den zweifellos beeindruckenden Meerblick, die tiefen Canyons und die gefühlt unendliche Weite der Berge.

 

„Die Berge sind so wunderschön, dass es manchmal wehtut.“ Das hat mal eine Freundin gesagt und sie hat Recht. Die Schönheit und Stille der Berge ist fast durch nichts zu übertreffen. Viel Freude und kommen Sie sicher zurück.

Wanderpause Mallorca

Wanderpause mit Meerblick

Autoreninfo:

Barbara Röss ist Mallorca-Bloggerin & Journalistin und lebt schon seit 2006 auf der Insel. „Ich schreibe in meinem Blog mallorca-talks.com über die besonderen Dinge, die wahren Schätze der Insel, die es in keinen Reiseführer schaffen. Meine Leidenschaft sind die Geschichten der Menschen – die Seele der Insel. Echt, anders y un poco loco.“ So beschreibt die Mallorca-Expertin ihren Reiseblog.

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